Krieg der Nerds

Die Abschaffung der Wehrpflicht in Deutschland 2011 ist ein Vorbote für die Richtung, in die sich die Armeen entwickeln: Wie in der Wirtschaft, wo die Nachfrage nach ungelernten Arbeitskräften sinkt, ist der Wert schlecht ausgebildeter Streitkräfte für die moderne Kriegsführung immer geringer. Stattdessen herrscht ein Mangel an Spezialisten. So hat man in Deutschland 2015 bei diesen Spezialistentätigkeiten (wie IT-Feldwebel) lediglich eine Personalbedarfsdeckung von 38%. Dies hat zum einen mit den typischen Nachteilen bei einer Tätigkeit in der Bundeswehr zu tun. So muss man sich zwischen drei und 13 Jahren verpflichten. Als Informatikstudent in der Offizierslaufbahn bekommt man direkt nach der dreijährigen Ausbildung 2710,20 Euro brutto pro Monat. In der freien Wirtschaft kommen insbesondere die ITler in den Genuss deutlich besserer Gehälter (Median-Einstiegsgehalt für Bachelorabsolventen: 41.379 Euro). Zum anderen steigt auch der Bedarf stetig, was wohl an dem Beginn einer neuen Aera in der Kriegsführung liegt.

Neues Zeitalter der Kriegsführung

Man kann die Kriegsführung anhand der benutzten (oder verfügbaren und nur zur Bedrohung eingesetzten) Waffen grob in vier Epochen unterteilen: Zuerst die lang andauernde Aera der Hieb- und Stichwaffen (Knüppel, Speer, Schwert) gefolgt von der der Feuerwaffen (Kanonen, Gewehre, Panzer). Mit dem ersten Weltkrieg wurden erstmals auch Giftgaseinsätze getätigt und die Zeit der ABC-Waffen war gekommen. Die Zeichen mehren sich, dass nun das Zeitalter der digitalen Waffen anbricht. Obwohl die meisten Innovationen in diesem Bereich bis jetzt unter Verschluss bleiben, wurde 2010 der Computerwurm (im Gegensatz zum Virus verbreitet sich ein Wurm ohne fremde Datein mit seinem Code zu infizieren) Stuxnet entdeckt. Dieser kann in die Steuerung von Frequenzumrichtern eingreifen. Dadurch kann die Geschwindigkeit von Motoren beeinflusst werden, wie sie auch in Kraftwerken eingesetzt werden. Der Iran besass den grössten Anteil an infizierten Computern und es kam zu Unregelmässigkeiten in seinem Atomprogramm (1000 Zentrifugen zur Urananreicherung wurden ausser Betrieb gesetzt). So kann man davon ausgehen, dass es gezielt zu dem Zwecke entwickelt wurde

Weitere potentielle Angriffsziele sind autonomfahrende Autos. So sorgte bereits eine zivile Hackerattacke auf einen... für Aufsehen.

Die klassische "Front" wird es nicht mehr geben, viel mehr werden die Attacken in sämtlichen Gegenden und in vielerlei Formen ausgeführt.

Gute oder schlechte Nachrichten?

Durch das Wegfallen der Front werden somit vermutlich deutlich weniger Soldaten aufgerieben, wie das im Extremfall im Stellungskampf des ersten Weltkriegs der Fall war. Jedoch können Zivilisten nicht mehr nur durch Luftangriffe bedroht sein, sondern überall wo sie auf vernetzte Technologien angewiesen sind. Von Ampeln über Krankenhaussysteme bis hin zur Fahrdienstleitung der Bahn ist alles mehr oder weniger gefährdet und der Trend zur Vernetzung wird sich weiter fortsetzen (was auch z.B. in From eines smarten Stromnetzes nötig ist um Ziele wie die Energiewende zu erreichen).
Nicht unwahrscheinlicher ist indes Albert Einsteins Zitat
Ich weiss nicht, mit welche Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen.
geworden.

Quellen:

https://www.staufenbiel.de/magazin/gehalt /gehaltstabellen/informatiker-berufseinstieg.html

https://www.bundeswehrkarriere.de/karriere /offizier-und-it-student/43102 (Bezügebeispiel)

https://www.heise.de/newsticker/meldung /Stuxnet-Berichte-ueber-weiteren-Geheimnisverrats-Fall-in-den-USA-1902235.html

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